Donnerstag, 07 Juni 2018 10:20

Kinderfreibetrag 2018 / 2017 / 2016

Kindergeld und Kinderfreibetrag sind eng miteinander gekoppelt und von staatlicher Seite aus eine Unterstützung für Familien, um den Grundbedarf der Kinder zu decken. Dabei gilt, entweder Kindergeld ODER Kinderfreibetrag, beides zusammen ist nicht möglich.

Ob nun das Kindergeld oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, ermittelt das Finanzamt automatisch bei der jährlichen Berechnung der Einkommensteuer (Veranlagung) im Rahmen einer Günstigerprüfung. Eltern müssen den Kinderfreibetrag also nicht gesondert beantragen. Letztmalig wurden der Kinderfreibetrag und das Kindergeld in 2016 angehoben.

Kindergeld

Das Kindergeld ist ein Betrag, der Eltern monatlich überwiesen wird und der nicht der Einkommensteuer unterliegt, also nicht versteuert werden muss. Der Anspruch auf Kindergeld entsteht im Geburtsmonat des Kindes und die Höhe richtet sich dabei nach der Anzahl der Kinder:

 01.01.201801.01.201701.01.2016
1. und 2. Kind 194 Euro 192 Euro 190 Euro
3. Kind 200 Euro 198 Euro 196 Euro
ab 4. Kind 225 Euro 223 Euro 221 Euro
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Das Kindergeld wurde in 2015 um 4 Euro je Kind angehoben. Im Jahr 2016 stieg es um weitere 2 Euro und erhöhte sich jeweils zum 01.01.2017 sowie zum 01.01.2018 erneut um 2 Euro je Kind.

Kinderfreibetrag

Im Gegensatz zum Kindergeld wird der Kinderfreibetrag nicht ausgezahlt sondern ist ein Freibetrag, der vom zu versteuerndem Einkommen abgezogen wird und sich bei der Berechnung der Einkommensteuer steuermindernd auswirkt. Die monatlichen Kindergeldzahlungen können dabei als Vorausleistungen auf den Kinderfreibetrag zum Jahresende betrachtet werden.

Analog zum Grundfreibetrag, der Einkommen von Erwachsenen steuerfrei stellt und das Existenzminimum sicherstellen soll, wird für Kinder der Kinderfreibetrag (§ 32 Abs. 6 EStG) gewährt, der den Grundbedarf des Kindes decken soll.

Anspruch auf Kinderfreibetrag

Der Anspruch auf den Kinderfreibetrag entsteht im Geburtsmonat des Kindes und hat so lange Bestand, wie auch der Kindergeldanspruch besteht. Allgemein gilt:

  • bis zum 18. Lebensjahr
  • bis zum 25. Lebensjahr, wenn sich das Kind noch in Ausbildung oder Studium befindet
  • auch über das 25. Lebensjahr hinaus, wenn das Kind behindert ist und außerstande, sich selbst zu unterhalten

Höhe des Kinderfreibetrages

Nachdem berichtet wurde, dass der Bund ein Jahr früher als geplant ohne neue Schulden auskommt, besteht Raum für eine Erhöhung. Auf Grundlage des 10. Existenzminimum-Berichts vom 30. Januar 2015 hatte das Bundeskabinett den Gesetzesentwurf zur Anhebung des Kinderfreibetrages, Kindergeldes sowie des Kinderzuschlags beschlossen. Bis zum Jahr 2018 ergeben sich folgende Werte für den Kinderfreibetrag, nachdem es in den vergangenen Jahren zahlreiche Erhöhungen gegeben hatte:

2018201720162015bis 2014
7.428 EUR 7.356 EUR 7.248 EUR 7.152 EUR 7.008 EUR

Aktuell beträgt dieser in der Summe 7.428 Euro jährlich je Kind für beide Elternteile und setzt sich zusammen aus

  • 2.640 Euro für den Betreuungs-, Erziehungs- und Ausbildungsbedarf (bleibt zunächst unverändert)
  • 4.788 Euro für das sächliche Existenzminimum des Kindes

Bei getrennten Elternteilen wird der halbe Kinderfreibetrag angesetzt: ab 01.01.2018 sind das 3.714 Euro (3.678 Euro bis 2017).

Diese Beträge werden vom zu versteuerndem Einkommen abgezogen, so dass sich eine neue, reduzierte Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Einkommensteuer ergibt.

Anteilige Berechnung im Geburtsjahr des Kindes

Wird ein Kind nicht im Januar sondern etwa im Mai geboren, so wird im Geburtsjahr der Kinderfreibetrag anteilig gewährt.

Am Beispiel Mai besteht der Kindergeldanspruch für acht Monate des Jahres, so dass auch der Kinderfreibetrag nur für acht Monate berechnet wird: 7.428 / 12 x 8 =  4.952 Euro.

Kinderfreibetrag übertragen

In einigen Fällen kann der halbe Kinderfreibetrag von 3.714 Euro (3.678 Euro bis 2017) auf den anderen Elternteil übertragen werden, so dass bei einem Steuerpflichtigen die vollen 7.428 Euro (7.356 Euro bis 2017) angerechnet werden. Das ist dann der Fall, wenn die Eltern getrennt leben oder geschieden sind und ein Elternteil seine Unterhaltspflichten nicht erfüllt oder aufgrund mangelnder Leistungsfähigkeit keine Unterhaltspflicht (§ 1603 BGB) gegeben ist. Mehr zum Thema Unterhaltspflicht lesen Sie auf www.unterhalt.net und können die Höhe des Unterhalts mit dem Unterhaltsrechner auf http://www.unterhalt.net/unterhaltsrechner.html berechnen.

Kinderfreibetrag oder Kindergeld – Günstigerprüfung

Ob die Kindergeldzahlungen oder der Kinderfreibetrag für Steuerpflichtige vorteilhafter ist, prüft das Finanzamt automatisch im Rahmen einer Günstigerprüfung. Im erster Schritt wird dazu die Einkommensteuer auf das zuvor ermittelte zu versteuernde Einkommenberechnet. Anschließend wird das zu versteuernde Einkommen um den Kinderfreibetrag vermindert und die Einkommensteuer aufgrund der neuen Bemessungsgrundlage erneut ermittelt. Erst wenn bei beiden Berechnungen die Differenz der Einkommensteuer die Höhe des Kindergeldes übersteigt, ergibt sich ein Steuervorteil. Die Grenzen sind:

  • 2.328 Euro bei Verheirateten (194 Euro Kindergeld x 12 Monate; 2.304 Euro für 2017
  • 1.164 Euro bei getrennt lebenden Elternteilen (das Kindergeld wird nur zur Hälfte berücksichtigt)
Das Kindergeld wird in jedem Fall auf den Steuervorteil aus dem Kinderfreibetrag angerechnet. Daher ist es wichtig, dass ein Kindergeldantrag gestellt wird, auch wenn man von vornherein weiß, dass der Kinderfreibetrag sich günstiger auswirkt.

Berechnungsbeispiele nach dem Einkommensteuertarif 2017

Die nachfolgenden Beispiele werden mit den Werten für Kindergeld und Kindefreibetrag noch nach der Rechtslage 2017 gerechnet, da die Veranlagung zur Einkommensteuer für das Jahr 2018 erst im Jahr 2019 durchgeführt wird. Zum Jahreswechsel 2018/ 2019 werden die Werte entsprechend angepasst.

Berechnungsbeispiel 1: verheiratete Eltern mit einem Kind (nach Splittingtabelle)

 ohne Kinderfreibetragmit Kinderfreibetrag
1.) zu versteuerndes Einkommen 24.000 EUR 24.000 EUR
  Kinderfreibetrag   ./. 7.428 EUR
  Bemessungsgrundlage 24.000 EUR 16.572 EUR
  Einkommensteuer 1.094 EUR 0 EUR
  Differenz Einkommensteuer   1.094 EUR
  Vorteil: Kindergeld um 1.210 Euro höher (2.304 ./. 1.094)
 
2.) zu versteuerndes Einkommen 48.000 EUR 48.000 EUR
  Kinderfreibetrag   ./. 7.428 EUR
  Bemessungsgrundlage 48.000 EUR 40.572 EUR
  Einkommensteuer 7.252 EUR 5.192 EUR
  Differenz Einkommensteuer   2.060 EUR
  Vorteil: Kindergeld um 244 Euro höher (2.304 ./. 2.060)
 
3.) zu versteuerndes Einkommen 72.000 EUR 72.000 EUR
  Kinderfreibetrag   ./. 7.428 EUR
  Bemessungsgrundlage 72.000 EUR 64.752 EUR
  Einkommensteuer 14.748 EUR 12.290 EUR
  Differenz Einkommensteuer   2.458 EUR
  Vorteil: Kinderfreibetrag um 154 Euro höhere Steuerersparnis (2.304 ./. 2.458)
Bei Verheirateten ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 64.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.
 

Berechnungsbeispiel 2: lediger Elternteil mit einem Kind (nach Grundtabelle)

 ohne Kinderfreibetragmit Kinderfreibetrag
1.) zu versteuerndes Einkommen 24.000 EUR 24.000 EUR
  1/2 Kinderfreibetrag   ./. 3.714 EUR
  Bemessungsgrundlage 24.000 EUR 20.286 EUR
  Einkommensteuer 3.626 EUR 2.596 EUR
  Differenz Einkommensteuer   1.030 EUR
  Vorteil: Kindergeld um 122 Euro höher (1.152 ./. 1.030)
 
2.) zu versteuerndes Einkommen 48.000 EUR 48.000 EUR
  1/2 Kinderfreibetrag   ./. 3.714 EUR
  Bemessungsgrundlage 48.000 EUR 44.286 EUR
  Einkommensteuer 11.766 EUR 10.338 EUR
  Differenz Einkommensteuer   1.428 EUR
  Vorteil: Kinderfreibetrag um 276 Euro höhere Steuerersparnis (1.152 ./. 1.428)
 
3.) zu versteuerndes Einkommen 72.000 EUR 72.000 EUR
  1/2 Kinderfreibetrag   ./. 3.714 EUR
  Bemessungsgrundlage 72.000 EUR 68.286 EUR
  Einkommensteuer 21.764 EUR 20.204 EUR
  Differenz Einkommensteuer   1.560 EUR
  Vorteil: Kinderfreibetrag um 408 Euro höhere Steuerersparnis (1.152 ./. 1.560)
Bei Alleinstehenden ergibt sich erst ab einem zu versteuerndem Einkommen von ca. 34.000 Euro ein Steuervorteil durch den Kinderfreibetrag gegenüber dem gezahlten Kindergeld.

Publiziert in Kindergeld